Fleisch aus Weidehaltung: Klimakiller oder Klimafreundlich?


von Gunter Ernst 

(mit Bezug auf eine Studie von Prof. Eckard Jedicke aus dem Jahre 2017)

Man hört immer wieder, dass wissenschaftliche Untersuchungen ergeben hätten, dass Fleisch ein Klimakiller sei. Neuere Untersuchungen zu diesem Komplex zeigen aber, dass die früheren Untersuchungen immer nur in Stallungen gehaltene mit hohem Kraftfutteranteil gefütterte Hochleistungsrinder (10‘ -12‘ Liter pro Laktation) untersucht haben. Die jetzt vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen zur in Weidehaltung gehaltenen Rindern zeigen eine ganz andere Bilanz.

Die Erhaltung von Grasland insbesondere durch Beweidung ist klimafreundlich. Der Biss der Rinder regt ein verstärktes Wachstum des Grases an. Hierzu wird eine große Menge CO2 verbraucht. Die Beweidung fördert insbesondere auch die Wurzelbildung und führt damit zur Humusbildung im Boden. Humus ist ein großer Kohlenstoffspeicher. Weiter verbessert der damit verbundene gute Durchwuchs des Bodens die Aufnahme von Regenwasser, dessen Filtrierung und damit eine Erhöhung und bessere Reinigung unseres Grundwassers.

Die oft genannten Emissionen von CO2 und Methan bei der Verdauung der Rinder fallen im Vergleich nicht ins Gewicht. Der positive Effekt des Erhalts des Graslandes als CO2 Senke überwiegt diesen Effekt bei weitem. Die oft genannten hohen Werte sind durch den hohen Kraftfutteranteil bei den untersuchten Fällen (Hochleistungsrinder in Stallhaltung) bedingt. Der Kraftfutteranteil hat bei dem Rind zum einen negative Auswirkungen auf den Methan- und CO2 Ausstoß. Zum anderen werden für die Herstellung von Kraftfutter große Flächen Grasland umgebrochen. Dieser Umbruch bewirkt eine hohe CO2 Emission. Außerdem müssen die Kraftfutterpflanzen extrem gedüngt werden. Dies setzt in großen Mengen Lachgas frei, das 295mal schädlicher als CO2 ist. Außerdem sind die Emissionen durch den oft weiten Transport (z.B. aus Brasilien) hoch. Durch die monotonen Mais- und Sojaäcker wird auch die Artenvielfalt stark reduziert, während beweidetes Grasland eine hohe Artenvielfalt hat.

Auch der immer wieder genannte hohe Wasserverbrauch ist nicht gegeben. Bei den gängigen Vergleichen wird der Regen der auf Grasland fällt, als Verbrauch des Rindes gerechnet. Der Regen auf Grasland kann aber nicht dem Rind zugerechnet werden. Grasland ist eine CO2 Senke. Ein Umbruch in Ackerland zur alternativen Gewinnung von Feldfrüchten, würde zu einer immensen Freisetzung des im Grasboden gespeicherten Kohlenstoffs führen. Außerdem verlieren Ackerböden jedes Jahr Humus, während Grasland Humus aufbaut und damit langfristig Kohlenstoff bindet.

Die neuen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen also, dass wir auch unter dem Gesichtspunkt der Klimafreundlichkeit unser Weide-rind und -kalb unbedenklich und mit Genuss verzehren können.


DE-ÖKO-022
Deutschland
Landwirtschaft

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