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Biodiversität - anschaulich gemacht

Wiesenbegehung am 11.06.2021 

Auf unsere Einladung zur Wiesenbegehung konnten wir erfreulich viele interessierte Gäste auf dem Hof von Herbert Fleck begrüßen. Herbert Fleck und Jonas Notz führten kurz in das Thema ein. Wir Tischgenossen haben uns ja in unseren Kriterien vorgenommen, um die Artenvielfalt auf unseren Wiesen zu fördern, 10 % der Betriebsfläche unter fachkundiger Anleitung nach naturschutzfachlich orientierten Kriterien extensiv zu bewirtschaften. Herbert Fleck erzählte, dass er sich erst eine Bach nahe Wiese als extensive Fläche ausgesucht hatte. Nach ersten Gesprächen mit unserem naturkundlichen Berater Sepp Bauer sei dies aber verworfen worden. In diese Flächen werden nämlich aufgrund ihrer Tallage zu viele Nährstoffe eingetragen, was die Entwicklung von Artenvielfalt eher behindert. Es wurde dafür eine Hanglage ausgesucht, die schon eine höhere Artenvielfalt aufwies.

Wir machten uns dann bei herrlichem Abendwetter auf den Weg zu dieser ca. 800 Meter vom Hof entfernten Wiese. Herbert Fleck erläuterte dort die bisher schon eingeleiteten Maßnahmen und die Vorgesehenen, die eine weitere Ausmagerung bewirken sollen. Dies ist die Voraussetzung für eine höhere Artenvielfalt. Wichtig dabei ist auch, dass solche ökologisch naturnahen Flächen mit anderen naturnahen Flächen z.B. Bachläufen, Gräben, Blühstreifen an Wegrändern verbunden sind. So können Pflanzen, Insekten und andere Kleintiere in diesen Biotopverbünden wandern und sich genetisch austauschen. Eine wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Erhöhung der Artenvielfalt.

Es ergaben sich viele Fragen und eine lebhafte Diskussion und nach Rückkehr bei schon etwas kühleren Temperaturen bei Bier und anderen Getränken noch weitere Gelegenheiten miteinander ins Gespräch zu kommen.

So war es ein gelungener Auftakt nach der Coronazeit auch für ein wieder engeres Miteinander.

Und wenn es schon so blüht und summt, haben wir direkt 1 Woche später ins Kreuztal zu Leona und Oliver Post eingeladen. Auch da hat sich eine sehr interessierte Gruppe gefunden, die nicht nur Staunen, sondern auch wandern durfte. Das Kreuztal entwickelt sich dank ihrer Bewirtschafter auf diesen Flächen zu besonderen Kleinoden auf denen nicht nur die Arnika wieder blüht. Sehr anschaulich und zum Greifen nahe wurden wir mit dem reichen Wissensschatz von Oliver beglückt. Die wichtige Bedeutung der Ziegen auf diesen Flächen ist Thema der gemeinsamen Diskussion geworden, die wir mit einem Austausch über köstliche Ziegenfleischrezepte ausklingen lassen haben.

Und so haben sich auch an diesem Abend alle Beteiligte wieder der gegenseitigen Bereicherung erfreut!



Fleisch aus Weidehaltung: Klimakiller oder Klimafreundlich?


von Gunter Ernst 

(mit Bezug auf eine Studie von Prof. Eckard Jedicke aus dem Jahre 2017)

Man hört immer wieder, dass wissenschaftliche Untersuchungen ergeben hätten, dass Fleisch ein Klimakiller sei. Neuere Untersuchungen zu diesem Komplex zeigen aber, dass die früheren Untersuchungen immer nur in Stallungen gehaltene mit hohem Kraftfutteranteil gefütterte Hochleistungsrinder (10‘ -12‘ Liter pro Laktation) untersucht haben. Die jetzt vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen zur in Weidehaltung gehaltenen Rindern zeigen eine ganz andere Bilanz.

Die Erhaltung von Grasland insbesondere durch Beweidung ist klimafreundlich. Der Biss der Rinder regt ein verstärktes Wachstum des Grases an. Hierzu wird eine große Menge CO2 verbraucht. Die Beweidung fördert insbesondere auch die Wurzelbildung und führt damit zur Humusbildung im Boden. Humus ist ein großer Kohlenstoffspeicher. Weiter verbessert der damit verbundene gute Durchwuchs des Bodens die Aufnahme von Regenwasser, dessen Filtrierung und damit eine Erhöhung und bessere Reinigung unseres Grundwassers.

Die oft genannten Emissionen von CO2 und Methan bei der Verdauung der Rinder fallen im Vergleich nicht ins Gewicht. Der positive Effekt des Erhalts des Graslandes als CO2 Senke überwiegt diesen Effekt bei weitem. Die oft genannten hohen Werte sind durch den hohen Kraftfutteranteil bei den untersuchten Fällen (Hochleistungsrinder in Stallhaltung) bedingt. Der Kraftfutteranteil hat bei dem Rind zum einen negative Auswirkungen auf den Methan- und CO2 Ausstoß. Zum anderen werden für die Herstellung von Kraftfutter große Flächen Grasland umgebrochen. Dieser Umbruch bewirkt eine hohe CO2 Emission. Außerdem müssen die Kraftfutterpflanzen extrem gedüngt werden. Dies setzt in großen Mengen Lachgas frei, das 295mal schädlicher als CO2 ist. Außerdem sind die Emissionen durch den oft weiten Transport (z.B. aus Brasilien) hoch. Durch die monotonen Mais- und Sojaäcker wird auch die Artenvielfalt stark reduziert, während beweidetes Grasland eine hohe Artenvielfalt hat.

Auch der immer wieder genannte hohe Wasserverbrauch ist nicht gegeben. Bei den gängigen Vergleichen wird der Regen der auf Grasland fällt, als Verbrauch des Rindes gerechnet. Der Regen auf Grasland kann aber nicht dem Rind zugerechnet werden. Grasland ist eine CO2 Senke. Ein Umbruch in Ackerland zur alternativen Gewinnung von Feldfrüchten, würde zu einer immensen Freisetzung des im Grasboden gespeicherten Kohlenstoffs führen. Außerdem verlieren Ackerböden jedes Jahr Humus, während Grasland Humus aufbaut und damit langfristig Kohlenstoff bindet.

Die neuen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen also, dass wir auch unter dem Gesichtspunkt der Klimafreundlichkeit unser Weide-rind und -kalb unbedenklich und mit Genuss verzehren können.



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